66 Schreibnächte - Rezensionen

Bibel für Schreibgruppen
TextArt-Leser kennen sie bereits:
Im zweiten Heft des Jahres 2001 stellten Katrin Girgensohn und Ramona Jakob vor, wie man in der Gruppe das Krimischreiben bewerkstelligt. Wer die damals gezeigten Methoden ausprobierte und zu einem kreativen Aha-Erlebnis kam, kann sich vorstellen, was den Leser in dem neuen Buch "66 Schreibnächte" erwartet:
Schreiben als wieder entdeckte Form der Geselligkeit, als amüsantes, aber kreativ-relevantes Spiel, als Abenteuer, das den Erfahrenen noch weiter schult und dem Neuling zeigt, dass Schreiben mehr bedeutet, als Gedanken aufs Papier zu bringen.
Kreativität entsteht in den 66 Schreibprojekten durch inszeniertes Schreiben: Kulissen, Requisiten, Musik oder Aktionen regen die Kreativität an. So liefert ein Obstkorb zum Beispiel Material für eine Ode, ausgeschnittene Sätze und Wörter aus Zeitschriften sorgen für Collagen, Blumen geben den Impuls, frühlingshafte Texte zu Papier zu bringen. Jede dieser Nächte ist auf Gruppenschreiben hin angelegt; das ganze Buch ist so hervorragend strukturiert und auf die Praxis hin angelegt, dass die dargestellten Projekte (die freilich nicht nachts stattfinden müssen), gut "nachzuspielen" sind.
Alle Übungen sind mit Angaben zu Voraussetzungen, Raumgröße, erforderlichem Material und Zeitangaben versehen.
Vor die eigentlichen Schreibaufgaben haben die Autorinnen ein "Warm-Up", ans Ende Gedanken zum Abschluss und Textbeispiele gesetzt.
Der Einstieg für das Gründen von Schreibgruppen ist mit den "66 Nächten" sehr einfach; bereits bestehende Zusammenschlüsse von Schreibenden werden in dem riesigen Fundus garantiert neue Anregungen finden.
Neben all der Praxis fehlt auch eine theoretische, sehr verständliche Einführung (nebst allgemeinen "Spielregeln" für Gruppen) nicht. Darüber hinaus regen die Autorinnen mit einem kleinen Ausblick über das Organisieren von Lesungen dazu an, die entstandenen Texte aus der Gruppe hinauszubringen. Selbst wer sich schreibend bestimmten Themen nähern will, kann sich leicht orientieren: Die einzelnen Nächte umkreisen Bereiche wie "kreative Literaturgeschichte", "Genre und Stil, "Schreiben mit allen Sinnen", "Magisches", "Frauen" und andere.
Deutschlehrer, die Zugang zum Kreativen Schreiben suchen, werden ohne weiteres fündig. Denn, wie es die Autorinnen so schön ausgedrückt haben: "Schreiben in der Gruppe ist wie ein Ritt durch verblüffende Landschaften". Und zu diesem Erlebnis kann man gar nicht früh genug geführt werden.
Oliver Buslau


Aus: TextArt-Magazin 01/2

 

"Anstiftung zur literarischen Geselligkeit" lautet der wundervolle Untertitel dieses Buches und trifft damit den Kern, was hier geboten wird: Sie finden eine Fülle von Ideen, Anregungen und konkreten Übungen, mit denen sich Schreibtreffen in Gruppen spannend und anregend gestalten lassen.

Schreibgruppen sind eine feine Sache, um sich gegenseitig dazu zu motivieren, dauerhaft zu schreiben. Und damit solche Treffen optimal genutzt werden können, sollten sie ein bisschen vorbereitet werden. Mit diesem Buch ist das wenig Arbeit, denn Sie finden insgesamt 66 fertige Konzepte. Dabei können Sie aber auch durchaus nur einzelne Übungen nutzen oder diese mit eigenen ergänzen. Auf jeden Fall ermutigt dieses Buch dazu, selbst eine Schreibgruppe auf die Beine zu stellen.

Hintergrundinformationen, praktische Beispiele und vieles mehr ergänzen die Vorschläge für die Schreibnächte. Super sind auch die Arbeitsblätter, die als Kopiervorlagen dienen und an alle Teilnehmer/innen verteilt werden können.

Fazit: Ein tolles Buch für alle, die eine Schreibgruppe gründen wollen oder bereits eine betreiben. Es wird ein hoher Praxisnutzen geboten - die Übungen und Anregungen lassen sich 1:1 umsetzen. Auch besonders gut für Deutschlehrer/innen geeignet.

Durch die Fülle der Anregungen bietet das Buch aber auch Leuten, die bisher noch allein schreiben, sehr viel - und wer weiß, vielleicht initiieren Sie ja nach dem Lesen des Buches selbst eine Gruppe?!

Aus: www.zeitzuleben.de/buchtipps


Mit dem Praxisbuch von Katrin Girgensohn und Ramon Jakob 66 Nächte vergnüglich schreiben
Von Ute Eisinger

Was in Amerika als Creative Writing Bestandteil einer literarischen, freilich auch jeder beruflichen Ausbildung ist, in deren Verlauf man um die Verfassung von Texten nicht herumkommt, gilt es hierzulande erst einzuführen. Vielerorts übernehmen Volkshochschulen diese Aufgabe, doch auch in verschiedenen Therapieeinrichtungen und Selbsterfahrungsseminaren wird das zweckfreie Schreiben als Reflexion oder einfach entspannende Spielerei eingeführt. Katrin Girgensohn und Ramona Jakob haben zehn Jahre lang solche Programme geleitet. 66 ihrer bewährtesten Rezepte für abendfüllende Schreibwerkstätten (oder Schreib- statt Spieleabende) liegen nun in ihrem Praxisbuch vor.
Mit einem Briefsteller oder einer Poetik haben diese Vorschläge nichts gemein. In der Regel sind es dreistündige Programme, die im Buch beschrieben werden und auf recht brauchbare Weise Kopiervorlagen und Checkliste für einen reibungslosen Ablauf enthalten. Im Anhang befindet sich eine kommentierte Literaturliste zu dem eher neuen Thema des Kreativen Schreibens.
Schreibabende, wie von Girgensohn und Jakob praktiziert, beginnen mit einem Impuls, das ein Gedicht oder ein mitgebrachter Gegenstand sein kann, Musik und bestimmte Themen, auf die sich die Veranstaltungsteilnehmer vorbereiten konnten. Das Buch enthält auch eine Reihe von Beispielen, wie die der ganzen Gruppe gestellten Aufgaben von verschiedenen Menschen gelöst worden sind.
Die Autorinnen haben ihr Buch für Erwachsene geschrieben, doch die meisten Ideen sind durchwegs für Lehrer aller Schulstufen brauchbar. Allerdings geht es nicht um literarisches Schreiben oder gar Aufsatz-Wettbewerbe: Persönlicher Ehrgeiz hat im Konzept der Geselligkeit keinen Platz, meinen die Kursleiterinnen. Ihr Anliegen ist die Erfahrung in der Gruppe und die Freude an der Artikulation bzw. am Zuhören und Verstehen des Anderen mittels Schreiben.

Aus: www.literaturkritik.de